Interview von Bettina Kreuter in Noen.at

Interview

Ihlenfeld: „Das Fahrradfahren erweitert den Horizont“Die Liebe zum Fahrradfahren wird schon in der Kindheit geschlossen. Marcus Ihlenfeld von Woombikes aus Klosterneuburg weiß, wie Eltern diese Begeisterung unterstützen können.

Christian Bezdeka und Marcus Ihlenfeld wollen Kindern die Liebe zum Fahrradfahren vermitteln. Bei der Entwicklung ihrer Woombikes nehmen sie auch das Feedback der Eltern ernst und lassen es einfließen.  |  Stephan Doleschal

Die beiden Gründer vom Kinderfahrradhersteller Woombikes – Marcus Ihlenfeld und Christian Bezdeka – sind selbst vom Rad begeisterte Väter.

Aus dem Wunsch, diesen Funken auf ihre eigenen Kinder überspringen zu lassen, entstand die Idee zu Woombikes. 2010 gegründet werden heute 42.000 Räder pro Jahr produziert. Beim Gespräch mit Marcus Ihlenfeld wird deutlich, dass er sich in die Rolle der kleinen Radfahrer hineinversetzen kann.

Wann sollten Kinder beginnen Rad zu fahren?

Marcus Ihlenfeld: Kinder können schon mit ein bis zwei Jahren beginnen. Ein Laufrad ist meiner Meinung nach ein absolutes Muss und gehört in jeden Haushalt. Das Kind hat bereits das Gefühl des Fahrradfahrens – es lenkt, es hält die Balance und es legt sich in die Kurve. Dazu kommt der Stolz, dass es schon mit von der Partie ist.

Ab dem dritten Lebensjahr können sie dann auf ein Fahrrad mit Pedalen umsteigen.

Ich kenne Kinder, die radeln mit sieben Jahren noch nicht.

Ihlenfeld: Die Frage ist, wie koordinativ das Kind ist – also schlägt es schon Purzelbäume, wie viel klettert es. Der Bewegungsdrang ist in jedem Kind drinnen. Die Eltern sollten geduldig sein. Wenn das Kind Angst hat, dann geht es nicht. Oft wird es interessant, wenn es auch die Freunde machen.

Sie raten also zu Geduld?

Ihlenfeld: Das Kind gibt die Geschwindigkeit vor – nicht pushen. Es handelt sich um kein Rennen, das Fahrrad sollte auch bei Ausflügen immer nur das Mittel zum Zweck sein.

Was heißt das?

Ihlenfeld: Wenn eine Tour mit einem Kind geplant ist, dann sollte man sich ein Ziel vornehmen. Das kann die Eisdiele, der Spielplatz oder das Freibad sein. Fahrradfahren erweitert den Horizont, denn innerhalb kurzer Zeit und mit geringem Aufwand können die Kinder längere Strecken zurücklegen. Das Kind ist stolz, wenn es größere Etappen geschafft hat. Das steigert auch sein Selbstbewusstsein.

Kinder können auch quengeln oder sich verletzen.

Ihlenfeld: Das Kind darf auch einmal hinfallen, das gehört zum Lernen dazu. Natürlich sollte es nicht bei hoher Geschwindigkeit passieren, aber beim Auf- und Absteigen kann es schon zu Stürzen kommen. Ein Helm ist ohnehin Pflicht für jede Ausfahrt. Nahrung, Flüssigkeit und Gummibärli gehören auch mitgenommen, dann können die Energiereserven gefüllt werden.

Viele Kinderfahrräder sind zu schwer: Sie wiegen zwölf Kilogramm, das Kind selbst aber nur 15. Das wird anstrengend, vor allem bei Steigungen. Die Kinder wissen nicht warum, verlieren aber auch die Lust. Wie schwer sind Woombikes?

Ihlenfeld: Sie wiegen ungefähr die Hälfte. Wir wollen den Kindern vom ersten bis zum zwölften Lebensjahr eine gute Mobilität bieten. Wichtig ist auch, dass das Kind immer auf der richtigen Fahrradgröße sitzt. Sie kaufen sich ja auch keine Schuhe, die Ihnen drei Nummern zu groß sind. Wir wollen Kindern die Liebe zum Fahrradfahren vermitteln. Dazu gehört aber auch, dass sich auch die Eltern bewusst machen, was sie für ihr Kind wollen. Die Leute sollten anfangen, ein Gespür für Qualität und Nachhaltigkeit zu entwickeln.

 

Bettina Kreuter,

 

Brunne: http://www.noen.at/freizeit/ausflug-reise/interview-ihlenfeld-das-fahrradfahren-erweitert-den-horizont-interview-radfahren-kinderradfahren/88.612.708

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